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TU Berlin

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Redefine the In-Between

Gemeinsames Essen, Gartenarbeiten, Fahrradabstellplatz und Entspannungsort: Vielfältig möblierter Aussenraum vor der Hoffassade eines Mehrfamilienhauses, der für unterschiedlichste Nutzungen Raum bietet.
Lupe

Kompensationsräume in dichten Wohnsiedlungen

Wohnqualität wird nicht nur von der eigenen Wohnung, sondern zum großen Teil von den Interaktionen mit dem Wohnungsumfeld beeinflusst. Den Zwischenräumen im unmittelbaren oder nahen Wohnungsumfeld kommen hier eine besondere Bedeutung zu. Auch deshalb, weil durch ein gelungenes Wechselspiel von baulicher Gestaltung, Nutzungsangeboten und Betriebskonzept die private Wohnfläche um Aneignungsmöglichkeiten jenseits der eigenen vier Wände ergänzt werden kann.

Mit der gegenwärtigen Diskussion um eine Reduktion der Wohnfläche pro Person und der damit verbundenen Auslagerung von Tätigkeiten aus der Wohnung in den halböffentlichen und öffentlichen Bereich gewinnen das Wohnumfeld, sowie Vor-, Übergangs- und Zwischenzonen an neuer Bedeutung. Es wäre aber zu kurz gegriffen, diese lediglich als Kompensation für das Wohnen auf kleinem Fuß zu betrachten. Vielmehr geht es hier um ganz grundsätzliche Wohnbedürfnisse, die eigentlich nur im wohnungsnahen Umfeld befriedigt werden können und denen vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Aus der Architekturpsychologie ist bekannt, dass sich vorhandene oder fehlende Interaktions- und Kommunikationskontrolle über die eigene Umgebung auf das Gefühl von verfügbarem Raum und damit auf die Wohnqualität auswirken.

Der Fokus des Projekts liegt entsprechend auf den so genannten «Komplementärräumen», die die private Wohnfläche um verschiedene Handlungs- und Stimmungsräume im wohnungsnahen Umfeld ergänzen. Beispielhaft sind hier halbprivate Vorplätze oder Außenräume zu nennen sowie Freiräume und Nutzungsangebote im Quartier, die von den Bewohnenden als wichtiger Bestandteil ihres Wohnraums angesehen werden. Neben baulich-räumlichen oder infrastrukturelle Bedingungen spielen hierfür auch Hausordnungen oder Betriebskonzepte eine Rolle, indem sie die Auslagerung von Tätigkeiten aus der Wohnung in den halböffentlichen Raum ermöglichen. Hier geht es nicht zuletzt auch um das Austarieren zwischen individuellen und kollektiven Ansprüchen. Anhand von sechs Fallstudien in der Schweiz und in Deutschland wurde die Bedeutung von wohnungsnahen Zwischenräumen und Nutzungsangeboten aus Sicht der Bewohnenden untersucht. Die gewählten Erhebungs- und Auswertungsmethoden tragen dem Umstand Rechnung, dass es den Komplementärraum per se nicht gibt. Vielmehr sind es die Bedürfnisse der Bewohnenden, die an diesen Orten befriedigt werden und diesen Räumen ihre Bedeutung als Komplementärräume verleihen. Neben der Analyse relevanter Dokumente bildeten sogenannte Walking Interviews mit Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Kurzinterviews mit den Verwaltungen den Hauptteil der empirischen Untersuchung. Die Fotografie stellte in Ergänzung zu den Walking Interviews ein wichtiges Medium dar, um die besuchten Orte aus dem Blickwinkel der Bewohnenden abzubilden.

Die Sorgfalt bei der Schaffung orts- und nutzerspezifischer Situationen im Wohnungsumfeld und damit ein integrales Verständnis von Wohnung und Quartier sind zentral, wenn es um die Diskussion von Wohnqualitäten geht. Eine konkrete Orientierungs- und Diskussionshilfe bietet die Studie mit dem «Kompass der Komplementärräume». Als praxisorientiertes Werkzeug richtet sich dieser an Planerinnen und Bauträgerschaften, engagierte Bewohnerinnen und Bewohner, welche die Wohnqualität über die eigenen vier Wände oder die Parzellengrenze hinaus diskutieren möchten."

Forschende Institutionen

Hochschule Luzern - Technik & Architektur, Institut für Architektur IAR, Kompetenzzentrum

Typologie & Planung in Architektur (CCTP)

Technischen Universität Berlin, Fachgebiet Planungs- und Bauökonomie/Immobilienwirtschaft (pbi)

Abschlussbericht

Juppien, Angela; Zemp, Richard (2021): Redefine the In-Between, BBSR Online Publikation

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